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Bleiwolle - Fugen passgenau abdichten

Mauerwerksfugen erfordern ein besonderes Augenmerk bei Planung und Ausführung. MitBleiwolle lassen sich Spalten und Zwischenräume verlässlich abdichten. Was Planer und Handwerker beachten sollten.

Große Handwerkskunst entscheidet sich oft im Kleinen. Schmale Mauerwerksfugen stellen eine zentrale Herausforderung für Planer und Verarbeiter dar. Alle Nahstellen müssen zuverlässig und dauerhaft vor Witterungseinflüssen geschützt werden. Andernfalls dringt durch feine Öffnungen Feuchtigkeit ein, die enorme Schäden an Mauerwerk und Eindeckung hervorrufen können.

Bei vielen Bauprojekten kommt als Abdichtungsmaterial Bleiwolle zum Einsatz. Das Material findet nicht nur im Denkmalschutz, sondern vermehrt auch bei modernen Fassaden Anwendung. Der Werkstoff ist im Prinzip wartungsfrei und erweist sich für den Lebenszyklus einer Immobilie als sehr nachhaltige Lösung.

Für Bleiwolle bieten sich vielfältige Einsatzfelder. Sehr häufig wird Bleiwolle bei Fugen an exponierten und stark bewitterten Stellen eingesetzt. Dazu zählen Schrägen, unverkleidete Fenstersimse oder Fassadenteile. Daneben kommt Bleiwolle bei Anschlussfugen zum Einsatz, wo Metallbleche oder Überhangstreifen ins Mauerwerk eingeführt werden. Auch bei Mauerwerksspalten in Rundbögen setzen viele Anwender auf Bleiwolle. Grundsätzlich bietet sich der Werkstoff für alle schwer zugänglichen Bereiche an Dach und Fassade an.

Bleiwolle bleibt in Bewegung

Mit Bleiwolle lassen sich Fugen ganz unterschiedlicher Ausprägung und Größe verschließen. Das Material passt sich flexibel an ganz verschiedene bauliche Gegebenheiten an. Mit einer Dichte von bis zu 11 kg/dm3 gewährleistet Bleiwolle eine sehr hohe Stabilität. Das Material bildet eine homogen abdichtende Sperrschicht, die UV-stabil und feuchtigkeitsbeständig ist. Im Gegensatz zu Mörtel passt sich Bleiwolle sehr gut den Bewegungen anderer Baustoffe an. Gerade bei Anschlussbereichen ist das entscheidend: Denn Werkstoffe haben unterschiedliche witterungsbedingte Ausdehnungen. Bleiwolle nimmt die Bewegungen anderer Baumaterialen auf und gleicht sie aus. Der Werkstoff ist mit allen gängigen Mauerwerkstypen und Baumetallen kombinierbar, von Aluminium, Blei, Kupfer, Titanzink bis hin zu nichtrostendem oder verzinktem Stahl.

Einmal abgedichtet, bleiben Fugen aus Bleiwolle in der Regel über Jahrzehnte wartungsfrei. Bei elastischen oder härtenden Dichtstoffen muss schon bei kleinen Schäden die gesamte Fuge ausgebaut und erneuert werden. Sollte an älteren Bleifugen die Füllung heraustreten oder kommt es zu Abrissen, können die Fugen gezielt nachgebessert werden. Dazu wird die bestehende Füllung mit dem Meißel nachgestemmt. Auch unter ästhetischen Gesichtspunkten ist Bleiwolle eine beliebte Lösung: Es entsteht eine dezente und glatte Fuge. Da Blei chemisch beständig ist, reagiert es nicht mit dem Mauerwerk und verursacht keine Verfärbungen.

Feine und grobe Bleiwolle

Über den Fachhandel ist Bleiwolle als Zopf in feiner oder grober Form erhältlich. Die feine (oder: gedüste) Bleiwolle besteht aus hauchfeinen Fäden von ca. 0,4 Millimeter Durchmesser und hat die Anmutung von Wolle. Die grobe (oder: geschabte) Bleiwolle hat einen Fadenbreite von ca. 1,5 bis 2 Millimeter. Ihre Struktur ist vergleichbar mit Lametta.

Grundsätzlich sind beide Ausführungen der Bleiwolle für alle Einsatzfelder geeignet und erzielen gleichwertige Ergebnisse. Die Wahl von feiner oder grober Bleiwolle hängt von den Gegebenheiten und von den Vorlieben der ausführenden Dienstleister ab. Dachdecker- und Klempnermeister Harald Handwerk aus Hillesheim bevorzugt grobe Bleiwolle: „Fäden aus grober Bleiwolle verhaken sich besonders gut und lassen sich dadurch leicht verstemmen.“ Hans Reuter, geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk aus Brüggen, hingegen setzt auf feine Bleiwolle: „Fäden aus feine Bleiwolle greifen sehr eng ineinander und lassen sich sehr gut zu einer homogenen Füllung verdichten.“

Verarbeitungsregeln beachten 

Die Arbeiten starten mit einer gründlichen Vorbereitung. Zunächst ist zu prüfen, ob das Mauerwerk rund um die Fuge hinreichend stabil ist. Schließlich wirken beim Verstemmen erhebliche Kräfte auf das Mauerwerk ein. Zum einen muss der Untergrund in der Fuge fest sein. Ist der Mörtel im Mauerwerk porös, sollte er sicherheitshalber erneuert werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Mörtel beim Verstemmen der Bleiwolle nach hinten durchgedrückt wird. Zum anderen ist darauf zu achten, dass der Mauerstein in Oberflächennähe sowie die Kanten der Fuge stabil sind. „Wir nehmen eine gründliche Sichtkontrolle vor und klopfen kritische Stellen mit einem Hammer ab“, sagt Harald Handwerk. Muss die Fuge neu angebracht werden, empfiehlt sich ein Probeschnitt mit Flex oder Fräse. Sind Putz oder Mauerwerk stark verwittert, sehr weich oder lösen sich bereits Teile ab, sind zusätzliche Vorkehrungen zu treffen. Die Fugenkanten können etwa durch einen innenliegenden Bleistreifen oder eine Ausweitung der Fuge stabilisiert werden.

Die richtige Abmessung der Fuge ist zentral für ihre Stabilität. In der Praxis haben sich folgende Grundregeln bewährt: Mauerwerksfugen sollten immer doppelt so tief wie breit sein. Die Fugentiefe sollte mindestens 2,5 Zentimeter betragen. Gegebenenfalls sollte die Fuge noch weiter ausgehöhlt werden.

Ausführungen mit Bleiwolle sollten immer in einem Arbeitsgang und nach Möglichkeit aus einem Zopf erfolgen. Denn: Wird zu wenig Material verstemmt, kann nur schwer eine weitere Schicht verlegt werden. Verstemmte Bleiwolle bildet in sich eine homogene Masse, die sich nur schwer mit neuen Fäden verbindet. Auf Dauer besteht die Gefahr, dass zusätzliche Schichten aus der Fuge herausbrechen. Deshalb sollten Verarbeiter die erforderliche Menge an Bleiwolle von vornherein sorgfältig abschätzen. Beispiel: Für eine Fuge von 1,5 Zentimeter Breite, 3 Zentimeter Tiefe und 1 Meter Länge werden rund 2 Kilogramm Bleiwolle zur Abdichtung benötigt. Das entspricht zwei handelsüblichen Zöpfen grober oder feiner Bleiwolle. Im Zweifelsfall sollen Handwerker besser etwas mehr Material einplanen.
 
Fugen Schritt für Schritt verschließen

Die Ausführung erfolgt in mehreren Schritten. Bei Anschlüssen wird zunächst das Blech oder der Überhangstreifen in der Fuge verankert und gegebenenfalls mit Schrauben befestigt. Dann starten die eigentlichen Arbeiten mit der Bleiwolle. Im ersten Schritt wird der Bleizopf der Länge nach ausgerollt. Dann wird die passende Materialmenge aufgenommen und per Hand zu einem Strang gedreht. Der Strang wird in die Fuge eingelegt und gleichmäßig in die Fuge getrieben und verstemmt. Als Werkzeuge kommen ein Hammer sowie stumpfe Meißel in verschiedenen Größen zum Einsatz. Einige Verarbeiter greifen auch auf Druckluftwerkzeuge zurück, um auch enge Zwischenräume gleichmäßig und kompakt zu füllen.

Abschließend wird die Fugenoberfläche mit einem Meißel geglättet. Überstehendes Füllmaterial oder Unebenheiten werden mit einem Schabeisen nachgearbeitet und falls erforderlich erneut verstemmt. Das Ziel ist eine glatte, homogene Fuge. So haben Wetterextreme keine Angriffspunkte und es zeigt sich ein optisch stimmiges Gesamtbild. „Richtig verarbeitet, entsteht mit Bleiwolle eine gleichmäßige Fuge, die so aussieht, als wäre sie vergossen“, sagt Hans Reuter.

Fazit: Der Einsatz von Bleiwolle eröffnet vielfältige Möglichkeiten. Mit feiner oder grober Bleiwolle lassen sich alle Fugen an Dach und Fassade flexibel verwahren. Das Ergebnis sind langlebige und wartungsfreie Fugen.


Bildquelle: © Harald Handwerk Dachbau (Abdichten), Saturnblei (alle weiteren Bilder)

© Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. / 10.02.2013

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