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Dachsanierung St. Nikolaus-Stift - Viel Liebe zum Detail

Holzschädlinge zerstörten das Dach des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift und erforderten eine Generalsanierung. Heute erstrahlt der historische Bau wieder in neuem Glanz. Sensible Dachpartien und Anschlüsse wurden mit Walzblei verwahrt.

Der Gescheckte Nagekäfer hatte ganze Arbeit geleistet. Der Schädling hatte das Dach des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift derart durchfressen, dass die ganze Bedachung geschädigt wurde. Gescheckte Nagekäfer ernähren sich vornehmlich von weichem und durch Pilzgeflecht geschädigtem Holz. So deutet ein starker Schädlingsfall meist auf ein weiteres Problem hin, nämlich eindringende Feuchtigkeit. Diesen Verdacht bestätigte eine gründliche Schadensanalyse.

Generalsanierung mit Weitblick

Schnell war allen Bauverantwortlichen klar: Das Dach des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift war so stark angegriffen, dass eine Generalsanierung unumgänglich war. Die Holzbalken und die Schieferabdeckung mussten komplett erneuert werden. Im Vordergrund stand eine systematische Ursachenbeseitigung, um das historische Bauwerk dauerhaft vor Feuchtigkeitseintritt zu bewahren und neuen Schädlingsattacken vorzubeugen. Gefragt war eine Lösung, die das historische Gebäude zuverlässig vor Witterungseinflüssen schützt. Zu diesem Zweck setzten die Bauverantwortlichen an sensiblen Dachpartien und Anschlussstellen auf den Werkstoff Walzblei.

Das Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift liegt in der Voreifel im Städtedreieck Köln-Bonn-Aachen und ist Teil einer über 850 Jahre alten barocken Klosteranlage. Hier werden über 500 junge Menschen von 40 Lehrern auf den Einstieg in das Sozial- und Gesundheitswesen vorbereitet. Viele Sanierungsarbeiten wurden während des laufenden Schulbetriebs durchgeführt. Lehrer und Schüler waren glücklich, als die mehrjährige Generalsanierung zu Ende ging, denn die Lärmbeeinträchtigungen waren zum Teil erheblich. Jetzt erstrahlt der Gebäudekomplex wieder in neuem Glanz und bietet ein angenehmes Lernumfeld.

Optisch stimmiges Gesamtbild

Die Dachsanierung erstreckte sich über drei Jahre. Es wurde in mehreren Bauabschnitten die beschädigte Dacheindeckung abgetragen, eine neue Balkenkonstruktion und Deckunterlagen aus Holz geschaffen und anschließend mit Schiefer eingedeckt. Zu guter Letzt kam insbesondere für die vielen Nahtstellen Walzblei zum Einsatz. Mit dem Werkstoff wurden Anschlüsse, Einfassungen, Kehlen und Kleinflächen passgenau verwahrt. Zudem ergibt das Zusammenspiel von Schiefer und Walzblei ein optisch stimmiges Gesamtbild. Mit wichtigen Bleiarbeiten wurde der Dachdecker und Klempnermeister Michael Nebeler aus Bedburg beauftragt, der über langjährige Erfahrungen in der Verarbeitung des Traditionswerksoffs verfügt.

Ein Einfallstor für Feuchtigkeit boten insbesondere die Fensterbänke der beiden etwa 15 Meter langen Großgauben. Sie waren mit Zink eingefasst und verlötet. Die Lösung erwies sich als nicht sonderlich witterungs- und temperaturbeständig. Über die Jahre platzen nahezu alle Nähte auf. Wiederholte Nachbesserungen zeigten nur kurz Erfolg. Um die thermische Bewegungsmöglichkeit in Zukunft zu gewährleisten, entschieden sich die Bauverantwortlichen für folgende Ausführungstechnik: Die Bleibleche wurden jeweils zwischen Fensterbank und Spiegel in der Länge getrennt. Die Verbindung zwischen den einzelnen bis zu 1,20 Meter langen Scharen erfolgte durch eine so genannte englische Bleideckung. Hierbei wird die Überdeckung über den Holzwulst getrieben und auf der benachbarten Schare mit aufgeschweißten Bleihaften gegen Windsog gesichert.

Viel Fingerspitzengefühl gefragt

Ein besonderes Augenmerk erforderte der Einbau der neuen Holzfenster. Es wurde darauf geachtet, dass eine ausreichende Anschlusshöhe von jeweils rund 5,0 Zentimeter gewährleistet wurde. Das Einlegen der Scharen für die Fensterbank erwies sich als knifflig. Die am Fenster vorhandene Nut war zu schmal, um das 2,5 Millimeter starke Bleiblech problemlos einlegen zu können. Deshalb werden die Bleibleche im Bereich der Nut mit einem scharfen Schneidemesser auf etwa 2,0 Millimeter abgehobelt. So ließen sich die Fensterbänke passgenau in die Wasserfalz einlegen.

Als besonders aufwändig erwiesen sich die Treibarbeiten in den Ecken zwischen Fensterlaibung und Spiegel. Hier war viel Fingerspitzengefühl gefragt, um die Bleibleche passgenau anzuformen. Dabei behielt Dachdeckermeister Nebeler immer die notwendige Materialdicke von 2,0 Millimeter im Blick. Wenn das Material durch intensives Treiben stark ausgedünnt war, wurden zusätzliche Verstärkungsbleche aufgeschweißt. Optisch tat dies dem Ergebnis keinen Abbruch. Die ohnehin kaum sichtbaren, mit Bleidraht geschweißten Nähte, wurden so positioniert, dass sie durch die Schiefereindeckung überdeckt wurden.

Die Unterlage der Fensterbänke wurde aus 30 Millimeter Schalung hergestellt. Am Übergang zur geschieferten Dachfläche wurde ein Kantenschutzblech aus 0,7 Millimeter Kupferblech verlegt. An dieses Kupferblech wurden verbleite Kupferhafte angenietet, die das Bleiblech gegen Windsog sichern.

Präzision bis ins Detail

Die Ausführungen an den beiden Großgauben waren prägend für die weiteren Arbeiten. Konsequenterweise wurden der Rettungsaustritt und die kleine Dachfläche über dem Eingangsportal ebenfalls in englischer Bleideckung realisiert. Der Rettungsaustritt war ursprünglich als vertieftes Flachdach mit bituminöser Abdichtung und einem Ablauf in die vorgehängte Hauptrinne konzipiert. Zudem war ein Türaustritt mit Stufe vorgesehen. Gegen diese Lösung sprachen eine erhöhte Unfallgefahr und eine aufwändige Eindichtung. Folgerichtig wurde dieser Bereich gedämmt und soweit aufgeständert, dass der Austritt auf das Rettungspodest problemlos ohne Stufe möglich ist.

Die Bleifläche wurde durch die mittig angebrachte Holzwulst halbiert. Die Füße des Geländers wurden in der Bleischare ausgespart, so dass eine problemlose thermische Bewegung der Scharen möglich ist. Anschließend wurden Bleimanschetten um die Geländerfüße geschweißt. Das Ergebnis ist eine funktionale und optisch ausgereifte Lösung.

Zu guter Letzt wurde die kleine Spitzdachgaube über dem Eingangsportal mit Walzblei eingekleidet. Auf die Bleikehlen wurden einseitig Hafte aus 0,7 Millimeter Kupfer aufgelötet, um die Scharen der Dacheindeckung einzuhängen. Auch die Eindeckung der Kleindachfläche wurde mit viel Liebe zum Detail ausgeführt. Abschließend wurden alle sichtbaren Bleiflächen mit Patinieröl gegen Schlierenbildung behandelt, so dass sich ein gleichmäßiges Gesamtbild ergibt.


Bautafel


Projekt: Dachsanierung des St.-Nikolaus-Stifts unter Einsatz von Walzblei
Bauherr: Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift/Erzbistum Köln
Architekten: Ernst Architekten, Zülpich
Material: RAL-geschütztes Saturnblei in 2,5 Millimeter Stärke, Patinieröl
Verarbeiter: Michael Nebeler Bedachungen, Bedburg u.a.
Hersteller: Gütegemeinschaft Saturnblei e.V., D-47747 Krefeld, www.saturnblei.de


Formbar ohne Grenzen

Die Dachsanierung des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift in Zülpich ist ein Musterbeispiel für eine fachkundige Restaurierung.Dachdecker- und Klempnermeister Michael Nebeler war maßgeblich beteiligt.

Wieso kam Walzblei zum Einsatz?
Die Bauverantwortlichen wollten bei allen kritischen Nahtstellen auf Nummer sicher gehen und setzten auf den Qualitätswerkstoff Walzblei. So wird einem erneuten Feuchtigkeitseintritt und Schädlingsbefall auf Dauer entgegen gewirkt.

Ihre größte Herausforderung?
Besonders knifflig waren die Treibarbeiten in den Ecken zwischen Fensterlaibung und Spiegel. Hier war viel Geduld und Fingerspitzgefühl gefragt. Aber je schwieriger die Ausführung ist, desto stolzer macht das Ergebnis.

Was fasziniert Sie am Werkstoff Walzblei?
Der Werkstoff ist nahezu grenzenlos formbar und ermöglicht passgenaue Verwahrungen für ganz unterschiedliche Anwendungen. So werde ich meinen handwerklichen und qualitativen Ansprüchen immer wieder aufs Neue gerecht.


Autor: Kai Christian Busch, Fachautor der Agentur conovo media in Köln, zuständig für die Themen Immobilien, Bauen, Wohnen

Bildquelle: © Michael Nebeler Bedachungen, Bedburg

© Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. / 09.12.2013
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