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Neues Dach für die Teekultur

Das Alte Rathaus in Emden beheimatet das weit bekannte Ostfriesische Teemuseum. Das Museum wurde jüngst vollständig modernisiert. Ein wichtiger Meilenstein war die sorgfältige Sanierung von Dachfläche und Turmgiebel unter Einsatz von Walzblei.

Im Ostfriesischen Teemuseum wird Teekultur lebendig. Auf über 1.000 Quadratmeter erfahren Besucher alles über Anbau, Verarbeitung und Herstellung der berühmten ostfriesischen Mischung. Sie besichtigen Wohnräume mit antikem Mobiliar und Geschirr, in denen die Zeit scheinbar still steht. Das kulturelle Erbe soll auf Dauer bewahrt bleiben. Deshalb werden die Gebäudehülle und die Haustechnik von Grund auf saniert und modernen Standards angepasst.

Spuren der Zeit

Das Hauptgebäude des Ostfriesischen Teemuseums befindet sich im Alten Rathaus der Stadt Norden, einem Renaissancebau aus dem Jahr 1539. Die letzte umfangreiche Instandsetzung erfolgte in der Nachkriegszeit. Danach ließ die Stadt Norden immer wieder einzelne Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten ausführen. Doch über die Jahre zeigte das Baudenkmal mehr und mehr Alterserscheinungen. Die Schäden an der Dacheindeckung waren so gravierend, dass es an zahlreichen Stellen stark durchregnete. Konsequenz: Das Dach musste komplett erneuert werden, einschließlich der Anschlüsse und des Turmgiebels. Der Bauherr entschied sich für eine langlebige Lösung unter Einsatz der bewährten Walzbleitechnik.

Mit der Dachsanierung wurde der Emdener Handwerksbetrieb Dächer von Schnell beauftragt. Das Familienunternehmen hat sich auf Denkmalpflege spezialisiert und schon viele Baudenkmäler fachgerecht saniert. Dachdeckermeisterin Petra Schnell-Rewerts setzt von jeher auf den Werkstoff Walzblei, um hohen Qualitätsanforderungen gerecht zu werden. „Seit meiner Lehrzeit verwende ich für An- und Abschlüsse ausschließlich Walzblei“, betont Schnell-Rewerts. „Der Werkstoff ermöglicht langlebige und formschöne Lösungen in ganz unterschiedlichen Anwendungen.“

Mehrfach statt einmal nutzen

Die ersten Vorbereitungen starten noch vor Wintereinbruch. Die Dachdecker demontieren die vorhandene Bleideckung und überführen das Altmetall wieder in den Materialkreislauf. Dazu werden Befestigungen und Verbindungen behutsam gelöst, so dass der Untergrund nicht beschädigt wird. Dabei kommt den Dachdeckern die hohe Flexibilität des Materials zugute: Bleibleche lassen sich einfach biegen, schneiden und je nach Gegebenheit kleinteilig oder in größeren Stücken loslösen. Genagelte Befestigungen werden mit einem Stemmeisen gelöst, Falze mit Gummihammer und Setzholz aufgebogen. Mit der Deckzange werden fest sitzende Blechstücke abgezogen. Schließlich landet der Bleischrott auf einer Holzpalette, wird mit Haltegurten gesichert und zum nächsten Rohstoff-Sammelbetrieb transportiert.

Auch die traditionelle Eindeckung aus alten Ton-Hohlziegeln wird nicht gleich entsorgt, sondern sorgfältig abgetragen. Gut erhaltene Ziegel werden in einer Gitterbox gestapelt und im Materiallager des Dachdeckerbetriebs verwahrt. Schließlich bleiben sie funktionsfähig und werden für Reparaturarbeiten an anderen Baudenkmälern dringend benötigt. So muss eine denkmalgerechte Sanierung nicht am Portemonnaie scheitern. „Gebrauchte Ziegel können wir zu erschwinglichen Preisen weiterreichen“, betont Schnell-Rewerts.

Im nächsten Schritt wird die freigelegte Holzunterkonstruktion eingehend geprüft, insbesondere alle Sparren und Verbindungen. Das Ergebnis: Der Dachstuhl weist keine Schäden auf und kann weiter genutzt werden. Auf der Holzunterkonstruktion wird dann eine 2-lagige Polymer-Bitumenschweißbahn aufgebracht. Damit ist ein regendichtes Unterdach für die Winterzeit gewährleistet.

Eindeckung nach Maß

Witterungsbedingt starten die eigentlichen Arbeiten erst im Frühjahr. Umso mehr ist eine gute Abstimmung und Terminkoordination unter allen Baubeteiligten gefragt. Dies liegt in den Händen des Architekturbüros Angelis & Partner in Oldenburg. Schon vor Beginn der Bauarbeiten haben die Architekten mit aufwändigen Recherchen zur Baugeschichte die Grundlagen für eine fachgerechte Sanierung gelegt. Das Architekturbüro übernimmt dann auch die Bauleitung und sorgt etwa mit detaillierten Bemusterungen vor Ort für eine umfassende und behutsame Instandsetzung des Denkmals.

Für die Dacharbeiten sind auf der Baustelle bis zu 7 Dachdecker und Klempner tätig, um die rund 410 Quadratmeter große Dachfläche sowie den Turmgiebel neu einzukleiden. Entsprechend groß ist auch der Materialbedarf: Für das Bauvorhaben kommen insgesamt 25 Rollen Walzblei in 2,0 Millimeter Dicke und 50 Kilogramm Bleiwolle zum Einsatz. Für die neue Ziegeleindeckung werden rund 6.700 Hohlziegel in blau-grau gedämpfter Farbe benötigt.

Zunächst werden die Ausstiegslucke in der Plattform unterhalb des Kupferturms und die Dachreiter-Plattform vollflächig mit Bleiblechen eingedeckt. Die Anschlussbleche werden miteinander verschweißt. Alle 8 Gratecken werden zusammengeführt und per einfach liegender Falz verbunden. Die Pfosten des Kupferturms werden mit Blei ummantelt, mit einer Überhangleiste versehen und dann mit Bleiwolle abgedichtet. Der Kupferturm selbst erfordert keine Überarbeitungen, da die Kupfereindeckung intakt ist. Allerdings wird die historische Bekrönung in Form einer Kugel komplett überarbeitet. In einer Schmiede wird die Bekrönung sorgsam in ihre Einzelteile zerlegt, die Stange gründlich sandgestrahlt und fehlende Teile detailgetreu rekonstruiert. Dann werden alle Elemente wieder angeschweißt und die komplette Bekrönung neu vergoldet.

Die Eindeckung des Turmgiebels erfolgt mit Natur-Schiefer in altdeutscher Deckung. Anschließend werden die neuen Hohlziegel am Giebel und an den seitlichen Mauerwerken 2-reihig ausgelegt. Als nächstes werden die seitlichen Anschlüsse zum aufgehenden Giebelmauerwerk erstellt. Dazu werden die Bleibleche in Form der Ziegel zugeschnitten und als Schichtstück aufliegend auf der Pfanne verlegt. Diese Ausführung bietet gegenüber durchgehenden Anschlüssen mehr Stabilität bei Windsoglasten. Zur Befestigung der Bleibleche wird das Mauerwerk in den waagerechten Fugen abgetreppt eingeschlitzt und zwar mit einer Tiefe von 3,5 Zentimetern. Aufgrund der Rundungen im Mauerwerk weist die wandseitige Aufkantung eine Höhe von 10 bis 30 Zentimeter auf. Das dachseitige Anschlussteil wird dann sorgfältig an jeden einzelnen Ziegel angepasst. Nun werden alle Mauerwerksfugen mit Bleiwolle abgedichtet.

Ein echter Hingucker

Zu guter Letzt werden alle Bleiflächen zweifach mit Patinieröl behandelt. Denn: Kommt frisch verlegtes Walzblei mit Wasser in Kontakt, bildet sich Bleiweiß, das in Form von unschönen Schlieren auf unterliegenden Deckmaterialien sichtbar wird. Der Einsatz von Patinieröl wirkt diesem Effekt entgegen und schützt das Material bis zur Bildung der natürlichen Patina. Das auf pflanzlicher Basis hergestellte Öl wird mit einem Baumwolltuch auf die saubere und trockene Walzblei-Oberfläche aufgetragen. Bereits nach etwa einer Stunde besteht ein wirksamer Schutz vor Schlierenbildung. Die Bleibleche erhalten eine gleichmäßige bläulich-weiße Einfärbung. Nach Abschluss der Walzbleiarbeiten werden auch alle Zwischenbereiche mit Hohlziegeln eingedeckt.

Das Ergebnis der Dachsanierung läßt sich sehen: Viele Besucher des Ostfriesischen Teemuseums richten ihre Blicke neugierig nach oben und bestaunen die fachgerechte Dachsanierung. Der norddeutsche Renaissancebau wirkt zeitlich schön und bietet einen stolzen Rahmen für das kulturelle Erbe der Region.


Bautafel:

Projekt: Dachsanierung Altes Rathaus in Norden unter Einsatz von Walzblei
Bauherr: Stadt Norden
Architekten: Angelis & Partner, Oldenburg
Material: RAL-geschütztes Saturnblei in 2,0 Millimeter Stärke, Bleiwolle, Patinieröl
Verarbeiter: Dächer von Schnell GmbH, Emden
Hersteller: Gütegemeinschaft Saturnblei e.V., D-47747 Krefeld, www.saturnblei.de

 

Autor: Maximilian Hoh, Fachautor der Agentur conovo media in Köln, zuständig für die Themen Immobilien, Bauen, Wohnen

Bildquellen:
Gesamtansicht © Angelis & Partner
Alle weiteren Fotos © Dächer von Schnell

© Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. / 08.01.2015

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